Arbeiten in Spanien

Das angenehme Klima und die Lebenskultur machen Spanien zu einem der beliebtesten Ziele für Auswanderer. Allerdings sollte man sich keinesfalls von Sonne, Meer und Strand blenden lassen. Nach Spanien auszuwandern ist eine große Herausforderung. Die Arbeitslosenquote ist hoch und die wenigen freien Stellen entsprechend hart umkämpft. Die bürokratischen Hürden sind für EU-Bürger dagegen sehr gering.

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Wirtschaftliche Lage und Arbeitsmarkt in Spanien

Spanien ist von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders hart getroffen worden. Zwar gab es zuletzt deutliche Anzeichen für einen Aufschwung, die Arbeitslosenquote ist mit über 20 Prozent dennoch auf einem sehr hohen Niveau. Insbesondere junge Menschen haben es in Spanien schwer einen Job zu finden.

Relativ gute Aussichten gibt es nach wie vor in der Tourismusbranche. Das Land verzeichnete 2015 mit 68,1 Millionen ausländischen Besuchern einen neuen Rekord. Hier können Deutsche auch mit ihrer Muttersprache punkten, da Spanien noch immer eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen ist. Problematisch dabei ist, dass viele Stellen nur saisonal besetzt werden. Im Sommer sind die Chancen sehr gut für den Winter muss man sich dann einen neuen Job suchen.

In den größeren Städten wie Madrid, Barcelona oder Sevilla werden jedoch auch Fachkräfte und Akademiker gesucht. Folgende Berufsgruppen haben auf dem spanischen Arbeitsmarkt die besten Chancen:

  • Mitarbeiter im Gastronomie- und Hoteleriegewerbe
  • Ärzte und Pflegekräfte
  • IT-Spezialisten
  • Ingenieure
  • Elektrotechniker

Eine gute Schulbildung und berufliche Qualifikationen sind für die erfolgreiche Stellensuche unerlässlich. Zudem sollte die spanische Sprache in Wort und Schrift beherrscht werden. Je nachdem, in welcher Region man sich niederlassen möchte, werden auch Provinzsprachen wie Baskisch, Katalanisch oder Galizisch gefordert.

Situation bei Löhnen und Gehältern in Spanien

Die durchschnittlichen Gehälter sind in Spanien etwas niedriger als hierzulande. In Spanien gilt ein gesetzlicher Mindestlohn. Dieser wurde für 2016 leicht angehoben und liegt bei 655,20 Euro pro Monat. Ungelernte Arbeitskräfte müssen sich in vielen Fällen mit dem genannten Mindestlohn begnügen.
Dies gilt insbesondere, was die Hotel- und Gaststättenbranche betrifft. Zudem gibt es immer auch regionale Unterschiede. So sind die Löhne und Gehälter in Madrid höher als in ländlichen Gebieten und den Küstenregionen.

Durchschnittsbruttogehälter für verschiedene Tätigkeiten:

  • Büroangestellte: 1.700 Euro
  • Verkauf und Einzelhandel: 920 Euro
  • Grafiker und Multimediadesigner: 1.300 Euro
  • Kellner: 850 Euro
  • Ingenieure: 2.100 Euro
  • Koch 1.200 Euro
  • Küchenchef: 1.500 Euro

Nachdem die Löhne während der Wirtschaftskrise weitgehend eingefroren wurde, gab es 2015 wieder moderate Lohnerhöhungen von etwa 1,5 Prozent. Das durchschnittliche Gehalt von spanischen Arbeitnehmern liegt derzeit bei 1.640 Euro. Zu beachten ist, dass es in Spanien zwischen Frauen und Männern teilweise große Lohnunterschiede gibt. Bei klassischen Büroangestellten betragen diese bis zu 30 Prozent.

Wohnungssuche in Spanien

Die Mehrzahl der Spanier besitzt eine eigene Immobilie. So war es bisher eher schwierig, Wohnraum für einen längeren Zeitraum zu finden. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind jedoch immer mehr Immobilienbesitzer bereit, Wohnungen zu vermieten. Viele Wohnungen oder Häuser werden nicht inseriert, sondern sind einfach auf der Straße zu finden. Man erkennt sin an den Schildern „Se Aquila“ (zu vermieten ) oder „Se vende“ (zu verkaufen). Zudem gibt es verschiedene Internetportale, über die man bereits von Deutschland aus eine passende Wohnung finden kann.

In beliebten Städten wie Madrid oder Barcelona sind die Mietpreise naturgemäß am höchsten. Für eine Zwei- bzw. Dreizimmerwohnung muss mit monatlichen Kosten zwischen 1.000 und 1.200 Euro gerechnet werden. In anderen Regionen kann für diesen Preis bereits ein kleineres Haus gemietet werden. Für ein WG-Zimmer werden in den Städten rund 350 Euro fällig. Besonders günstig ist das Wohnen auf dem Land, wobei sich hier jedoch kaum offene Stellen finden. Zudem ist das Lohnniveau in strukturschwachen Gebieten deutlich geringer.

Lebenshaltungskosten in Spanien

Mit Ausnahme der größeren Städte und Touristenzentren liegen die Lebenshaltungskosten in etwa 15 Prozent unter denen in Deutschland. In einigen Regionen wie Andalusien und Valencia sind die Preise nach der Wirtschaftskrise kräftig gesunken. Dagegen gab es in Madrid oder Barcelona einen Preisanstieg. Frische Lebensmittel werden auf kleineren Märkten oftmals günstiger angeboten als im Supermarkt.

Einige Durchschnittspreise für Spanien:

  • Liter Milch: 1 Euro
  • Brot 400 g: 0,97 Euro
  • 12 Eier: 1,66 Euro
  • Kilo Kartoffeln: 0,69 Euro
  • Strom: 24 Euro monatlich
  • Benzin 1 Liter normal: 1,50 Euro
  • Telefon monatlich: 45 Euro
  • Haarschnitt Männer: 18 Euro

Steuern und Sozialversicherung in Spanien

Wer in Spanien arbeitet, wird von seinem Arbeitgeber bei der Sozialversicherung angemeldet. Diese umfasst Kranken- Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Lastenverteilung ist jedoch nicht paritätisch, sondern im Vergleich zum deutschen System deutlich zulasten des Arbeitgebers. Der Arbeitnehmeranteil zur Kranken- und Rentenversicherung beträgt knapp fünf Prozent. Arbeitgeber führen 23,6 Prozent des Bruttoeinkommens ab. Der Arbeitnehmeranteil zur Arbeitslosenversicherung beträgt je nach Vertragsart 1,55 oder 1,6 Prozent.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind um einiges geringer als hierzulande. Alternativ kann eine private Krankenversicherung abgeschlossen werden. Diese sind in Spanien relativ günstig, beinhaltet jedoch ein Kündigungsrecht des Versicherers, wenn der Kunden beispielsweise unter einer schweren Krankheit leidet. In diesem Fall ist es äußerst schwierig, eine neue private Krankenversicherung zu finden.

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Selbstständige unterliegen in Spanien ebenfalls der Sozialversicherungspflicht. Die Anmeldung muss spätestens 30 Tage nach Tätigkeitsbeginn erfolgen. Der Beitragssatz lag 2015 bei 29,80 Prozent von einer frei wählbaren Bemessungsgrundlage. Diese bewegt sich zwischen 884,40 € (sog. base mínima de cotización) und 3.606,00 € sog. base máxima de cotización).

Die Sätze der Einkommenssteuer wurden aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung für 2016 erneut gesenkt. Je nach Einkommen werden zwischen 19 und 45 Prozent vom Bruttoeinkommen abgeführt. Dabei kommt es je nach Region zu kleineren Unterschieden.

Aufenthaltsgenehmigung für Spanien

EU-Bürger benötigen für Spanien keine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis. Wer länger als drei Monate im Land lebt, muss sich bei der Abteilung für Ausländer der Nationalpolizei („Comisaría General de Extranjería y Fronteras de la Policía Nacional“) anmelden. Diese stellt eine Identifzierungsnummer für Ausländer, die NIE aus. Diese wird beispielsweise bei der Eröffnung eines Bankkontos oder für den Kauf einer Immobilie benötigt. Die NIE gilt ein Leben lang und wird unter anderem auch als Steuernummer genutzt.

Voraussetzung für den Erhalt der NIE ist ein gültiger Arbeitsvertrag bzw. die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit. Wer seit mindestens 10 Jahre in Spanien lebt, kann die spanische Staatsbürgerschaft beantragen. Eine doppelte Staatsbürgerschaft ist möglich, sodass die Deutsche nicht aufgegeben werden muss.